„Habt ihr denn noch Karten für Feist?“ Der Typ, der uns vor dem Schiller-Theater anspricht, hat seine Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Aber es war schon vorher klar. Das Konzert würde restlos ausverkauft sein. Umso glücklicher war ich, dass ich zwei Karten gewonnen hatte.
Schon als Leslie Feist die Bühne betritt ist die Menge völlig aus dem Häuschen. Ganz in weiß und mit Glitzerarmreif bewaffnet, schnappt sie sich gleich eine ziemlich antik wirkende Semi-Akustik Gitarre und startet ohne Vorgeplänkel mit „I feel it all“, eines der eher schnelleren Stücke auf dem neuen Album. Ihre Stimme, die ich jetzt das erste Mal live höre, hat tatsächlich etwas ganz Eigenes.
Die Bühne ist übrigens sehr schlicht gehalten, keine Effekte, nur einfaches Bühnenlicht, für das ein gewisser Pyro zuständig ist, welcher von Feist zwischendurch mit Extrawünschen überrascht wird („Pyro, can we get everything blue now?“). Mitgebracht hat sie gleich sechs Musiker, die mit ziemlich vielen Instrumenten die Bühne bevölkern. Es sind absolute Könner, die sogar öfter mal das Arbeitsgerät tauschen. Auch das Publikum kommt zum Einsatz, das Mitsingen klappt mal mehr, mal weniger, scheint aber allen einen Riesenspaß zu machen.
Musikalisch ist Feists Auftritt mit einigen Finessen gespickt, wie etwa Live-Samples oder Vogelgezwitscher vom Band. Aber im Mittelpunkt steht natürlich immer ihre einzigartige Stimme. Bei Stücken, wie „The Water“ herrscht eine richtig intime Stimmung, trotz der fast 1000 Menschen im Raum, welche aber ganz still und gebannt auf ihren Plätzen sitzen. Bis auf zwei Ausnahmen kommen alle Songs vom neuen Album. Feist improvisiert viel, es scheint ihr Spass zu machen. Schon sehr beeindruckend, mit welcher Lässigkeit sie auf der Bühne agiert.
Nach der zweiten Zugabe verlassen dann schon manche den Saal, während die Menge versucht, die charmante Kanadierin ein drittes Mal herbeizuklatschen. Und tatsächlich kommt Feist noch einmal zurück, um mit ihrem Kumpel Mocky (der natürlich rein zufällig im Publikum saß) ein herzergreifendes Duett mit dessen Nummer „Fightin’ away the tears“ hinzulegen. Ein wunderbarer Abschluss für einen wunderbaren Abend.
Marc René Schmid