SuperSize

bio

Bio

  • Feist | Feist 02.01.2008 | Bio 2007
    Feist - Biographie 2007

    Man sollte zunächst ein paar Dinge über Feist wissen, um sich dann voll und ganz in „The Reminder“, ihr aktuelles Album, verlieben zu können: Sie ist weitaus mehr als das, was alle denken – nämlich eine Sängerin von sentimentalen Liebesliedern, die sich alleine ins Spotlight begibt, um ihre Balladen vorzutragen. In einem verstrichenen Leben(-sabschnitt) war sie eine überaus wilde Teen-Queen aus Calgary, die sich ordentlich in einer Punkband gehen ließ. Sie war es, die dafür gesorgt hat, dass eine ganze Reihe schüchterner Indie-Typen ohnmächtig wurde, als sie mit ihrer Band By Divine Right harte Gitarrenriffs auf sie abfeuerte; als die besagten Jungs schließlich wieder bei Bewusstsein waren, versetzte sie ihnen gleich den nächsten Stoß: mit denjenigen Shout-Out-Einlagen, die sie bei der bahnbrechenden Über-Indie-Combo Broken Social Scene beisteuerte. Sie kann bisweilen überaus eigensinnig sein, und ist dazu stets akribisch bei der Sache, etwa was die Einstellungen des Equalizers an ihrer Anlage oder auch das (Fine-)Tuning ihrer Gitarre betrifft. Manche haben in ihr überraschenderweise sogar eine Fashion-Ikone sehen wollen (wer hätte das gedacht!), dabei ist sie eigentlich eher ein Tomboy – und bevorzugt ohne Make-up unterwegs. Zwar ist sie durchaus in der Lage, einen bouncenden Foxtrott wie „Mushaboom“ zu trällern; einen Song, den selbst deine Großeltern liebend gern auf ihrem guten alten Victrola-Plattenspieler gehört hätten; aber gleichzeitig ist sie sofort dabei, wenn es darum geht, surreale Handpuppen (aus Socken fabriziert) mit ihrer Electro-Trash-Kollegin Peaches in Berlin und anderswo zum Leben zu erwecken... Auch dürfen wir nicht vergessen, dass die inzwischen sagenumwobenen Originaldemos („The Red Demos“) für „Let It Die“ und „The Reminder“ selbst die süßlichen Klänge einer Straßenbahn, die gerade vorbeirauschte, enthielten. Und auf der Bühne kann sie in einem Moment noch die Solosängerin sein, die den kompletten Raum einzig mit ihrer Gitarre ausfüllt, nur um schon im nächsten Augenblick eine dreiköpfige Band von Brüdern am Mikrofon anzuführen...

    All das (und mehr) kann man auf „The Reminder“ deutlich heraushören. So ist dieses Album in gewisser Weise „noch mehr Feist“, noch „feister“ als alles, was sie zuvor aufgenommen hat. Was auf gar keinen Fall heißen soll, dass „Let It Die“ ein halbherziger Versuch oder eine Lüge war; ganz im Gegenteil: Die Richtung, die sie die sie damals einschlug, zeichnete sich durch Kollaborationen und (weitschweifige) Klang-Experimente aus, um sich so, gemeinsam mit einem ihrer besten Freunde (Chilly Gonzales, der auch beim aktuellen „The Reminder“ seine virtuosen Finger im Spiel hatte), auf bis dato unbekanntes Terrain zu begeben. Etliche Schichten ihres Sounds trug sie ab und bildete neue Konstellationen aus ihnen, um insgesamt ein experimentelles Werk freizuschaufeln, das man so noch nicht von ihr gehört hatte.

    Niemand hatte mit demjenigen internationalen Erfolg gerechnet, den Feist mit ihrem „Let It Die“-Album haben sollte – sie selbst schon gar nicht! Plötzlich bekam sie sogar Auszeichnungen. Ihr Name tauchte allerorts in den Jahresbestenlisten auf. Eifrige Mitläufer wurden von Festival-Showcases abgewiesen. Plötzlich war sie, ein Mädel, das außerhalb von Kanada mehr oder weniger unbekannt gewesen war, in den Airplay-Top-10 vertreten, und ihre Musik war selbst in Supermärkten angekommen! Ihre Reaktion darauf? Sie tourte weiterhin durch die Welt. 33 Monate am Stück, wobei sie drei Kontinente bereiste und in ihren Bann zog. Unterwegs arbeitete sie an „The Reminder“, jener klanglichen Gedächtnisstütze, die mit jeder Station deutlichere Formen annahm...

    Als sich das Tourleben schließlich erschöpft hatte, landete sie in den La Frette-Studios: einem 200 Jahre alten Prachtbau in einem Randbezirk von Paris. Unsere Protagonistin suchte sich ihre Live-Band zusammen – Julian Brown, Bryden Baird und Jesse Baird –, und fragte auch ihre Langzeit-Buddies Gonzales, Mocky und Jamie Lidell, ob sie mit ihr am neuen Feist-Sound arbeiten wollten. Natürlich kamen sie – und füllten Ess- und Wohnzimmer im Handumdrehen mit einem Klavier, Vibraphonen, Orgeln, Gitarren, Verstärkern..., bauten dann zwei Schlagzeug-Sets vor den bunten Fenstern auf und verstreuten ihre unzähligen Mikrofone wie Mausefallen über den rustikalen Holzboden. Nicht ohne Grund kann man Hunde auf den Tracks bellen hören, denn die Aufnahmen fanden stets spontan statt – zwischen Pausenapfel und einem ausgedehnten Spaziergang im Garten. Fast schon wie ausgelassene Kids, die zusammen ins Rock’n’roll-Sommerlager fahren, stellten Feist und ihre begnadeten Kameraden „The Reminder“ zu weiten Teilen im Schlafanzug fertig. Von dem Gefühl völlig umgehauen, nach all den Tour-Monaten mal wieder einen relativ „festen Wohnsitz“ zu haben, stand Feist jeden Morgen schon ganz früh auf, um gemütlich-gefederte Schneeengel auf ihrer überdimensionalen Bettdecke zu hinterlassen. Schlotternd sollte sie wiederholt beim Versuch scheitern, Vogelgezwitscher auf der steinernen Terrasse aufzunehmen, was jedes Mal von Verkehrsgeräuschen (von Autos und Flugzeugen) vereitelt wurde. (Später jedoch, bei einem weiteren Schnellschuss-Versuch, gelang es ihr, kanadische Vogelstimmen vor einem Studio in Toronto auf Tape zu bannen. Die unwissenden Vögel aus dem Stadtteil Danforth sind nun auf ihrer Folk-Ballade „The Park“ verewigt).

    Und so nahmen die Songs einer nach dem anderen Form an –, bis Feist und Co. schließlich viel mehr geschafft hatten, als geplant. In nur zwei Wochen war ein ganzes Album entstanden.

    Da wäre beispielsweise „Brandy Alexander“, ein Stück mit einer Tiefschlag-Melodie, die sich über einem nachdrücklichen Herzschlag aus Drum-Sounds entfaltet. Oder der polternde Teenage-Traum, der im Fall von „1234“ mitschwingt. Gemeinsam mit Langzeit-Kollaborateur Gonzales schrieb sie den Song „The Limit To Your Love“, ein verhängnisvoll klingender Track, der mit deutlichen Klavier-Akkorden und Perkussions-Einlagen à la Mo Tucker dahinkriecht, während Feist sich kurzerhand auf Soul-Terrain begibt. Der Live-Favorit „Sea Lion Woman“, sonst berühmt in der Coverversion von Nina Simone, wird mit klingeltonähnlichen Synthie-Sounds umgehend in die Stratosphäre geschossen, um dann durch organisches Klatschen und einen Miniatur-Gospelchor wieder in unseren Breiten verankert zu werden. Auf dem schillernden und zugleich traurigen „The Water“ vermischt sich Feists einzigartige Stimme mit aufeinandergetürmten Klavier- und Vibraphonschichtungen, wobei sie eine Allegorie über stoische Berge, ein unbeholfenes wie gefährliches Meer und kleine Knochenhäufchen (die aus den Untiefen auftauchen) zum Besten gibt. Und „Intuition“ besticht mit fragilem Fingerpicking auf der Gitarre, wobei Feist Call-and-Response-Gesänge mit einer entfernten Menge austauscht.

    Es ist verdammt schwer, sich dieser atemberaubenden Vielfalt und Tiefe zu entziehen, ja, es ist quasi schon vorprogrammiert, dass einem schon beim ersten Kontakt mit „The Reminder“ die sonst so standhafte Kinnlade herunterfällt. Man hört hier alle nur erdenklichen Facetten von Feist heraus – das rastlose Punk-Kid aus Calgary, das Indie-Postergirl aus Toronto, die im Pariser Exil lebende Musikerin, die den Klang ihrer eigenen Schuhe auf dem Kopfsteinpflaster genießt –, uns sie fügt sie völlig kompromisslos zu einem organischen Ganzen zusammen.

    Letztendlich ist es einfach nur Feist, die ihre eigenen Fragen mit weiteren Fragen beantwortet, und damit genau darauf hört – wie sie es so treffend am Ende von „The Reminder“ formuliert –, „wie sich ihr Herz verhält“.

Top Video

Feist Feist - My Moon My Man
Feist Feist - My Moon My Man

Releases

  • Feist | The Reminder (CD) Tonträger Audio Format: CD Album
    Artist: Feist
    VÖ: 14.03.2008 VÖ: 2008 Label: Polydor | CD Bestellnr.: 0600753062319 Polydor

Releases Single

  • Feist | 1234 (CD Single) Tonträger Audio Format: CD Single
    Artist: Feist
    VÖ: 28.09.2007 VÖ: 2007 Label: Polydor | CD Single Bestellnr.: 0600753006801 Polydor

Exclusive Downloads

Merch

Viele neue Produkte! Checkt den Merchandise-Shop, denn dort findet ihr viel neuen Stuff, wie T-Shirts, Poster, Schmuck, etc. - alles frisch eingetroffen!

» Zum Shop

Für dein Handy

Real Tones, Videos, Wallpaper und Fun-Sounds. Alles was du brauchst - ohne Abo!

» Jetzt zu UMusic

SkyScraper